– und warum unsere iPad-Klassen besser sind als finnische Laptopklassen

Abschlussprüfungen ausschließlich am Laptop, auch alle schriftlichen sonstigen Prüfungen ausschließlich digital, nur noch digitale Schulbücher, so läuft das an finnischen Schulen. Einen solchen Grad der Digitalisierung gibt es bisher an bayerischen Schulen nicht, selbst nicht an unserer Schule, an der wir mittlerweile auf freiwilliger Basis eine große Mehrheit von iPad-Klassen haben. Wir wollten daher sehen, was im durchdigitalisierten Unterricht in Finnland anders läuft.

Das europäische Programm Erasmus+ hat Lehrkräften der FOSBOS Friedberg einen nachhaltigen Einblick in eine finnische Schule ermöglicht. Anfang Mai 2022 waren die Schulleiterin Hermine Scroggie und die Lehrerin Monika Uhlemair Gäste des Gymnasiums in Mariehamn auf der Insel Aland. Aland ist eine teils autonome Insel, zwischen Schweden und Finnland gelegen, auf der Schwedisch gesprochen wird, die jedoch zu Finnland gehört und damit das finnische Schulsystem umsetzt.

450 Schülerinnen und Schülern – also halb so viele wie an der FOSBOS Friedberg – gehen in den Jahrgangsstufen 11-13 an diese Schule. Es gibt drei Vollzeitkräfte, die die Lehrkräfte beim Einsatz der digitalen Tools unterstützen. Aus dieser IT-Einsatzgruppe ist immer jemand einsatzbereit, der bei technischen Problemen, die ad hoc im Unterricht auftreten, sofort helfen kann. Außerdem hat die Schule drei Lehrkräfte, die ausschließlich für die Beratung und Betreuung der Schüler:innen zuständig sind. Jede/r Schüler:in hat mindestens einmal im Jahr ein Beratungsgespräch, bei Bedarf auch mehrere. Damit können alle Schülerinnen und Schüler individuell gut betreut werden.

Was die IT-Unterstützung und die individuellen Beratungs- und Betreuungsmöglichkeiten der Schüler:innen angeht, so können wir nur neidisch nach Finnland schauen. An bayerischen Schulen ist für diese Zwecke nur ein kleiner Bruchteil von Lehrer:innenstunden vorgesehen.

Im Gespräch mit den Lehrkräften hat sich aber herauskristallisiert, dass sie eigentlich das Konzept der FOSBOS Friedberg in den iPad-Klassen, nämlich vorrangig handschriftlich digital zu arbeiten, für besser erachten als die Tipp-Arbeit ausschließlich am Laptop. Nicht zuletzt in Fächern wie Mathematik und in Bereichen wie Geometrie wäre die digitale Handschrift auf dem iPad vorteilhaft. Damit sind die Visualisierungsmöglichkeiten, insbesondere beim Erarbeiten von neuen Inhalten, weitaus besser als mit herkömmlichen Laptops. Außerdem kann durch die Handschrift das Geschriebene besser memoriert werden. Da aber in der Schule in Aland die digitalen Prüfungen ausschließlich getippt stattfinden, wird auch im Unterricht nur der Laptop benutzt und getippt. Aus diesem Grund nutzen sie daher teilweise zusätzlich Papier für handschriftliche Notizen. An der FOSBOS Friedberg ist das nicht notwendig. Ein großer Vorteil der digitalen Handschrift ist, dass die Schüler:innen alle Notizen an einem Platz haben, nämlich im digitalen „Schulheft“ auf dem iPad.
Der Besuch der Schule in Aland hat uns bestärkt, das digitale Lehren und Lernen an unserer Schule weiter zu fördern. Er hat uns aber auch die Vorteile von iPad-Klassen gegenüber Laptopklassen aufgezeigt.

Was wir sonst noch von finnischen Schulen lernen können:

  • Kostenloses, gesundes und qualitativ hochwertiges warmes Mittagessen für alle Schüler. Damit kann man vor allem nachmittags gut lernen.
  • Alle Unterrichtsstunden dauern 75 Minuten. Dadurch entsteht weniger Hektik als mit 45 Minuten-Einheiten.
  • Finnische Schüler „ratschen“ nicht im Unterricht. Sie sind sehr aufmerksam und fokussiert auf den Unterricht. Das ist auch sehr angenehm für die Lehrkräfte.
  • Zuschuss von 400 EUR je Schüler:in für die Anschaffung eines Laptops
  • Stabiles WLAN überall in der Schule
  • Luftkompressor für Fahrräder auf dem Fahrradparkplatz

 

Monika Uhlemair